Wiedergeburt

Der erste richtige Urlaub seit fünf, wenn ich ehrlich bin seit sechs Jahren steht vor der Tür. Eine Woche raus, von Sonntag bis (mindestens) Sonntag. Eine Woche für Neues: Neue Gegenden, neue Eindrücke, neue Erfahrungen, mit etwas Glück sogar neue Menschen. Eine Mischung aus nervöser Vorfreude und unterschwelliger Angst erfüllt mich – mit jedem Tag, den der Reiseantritt näher rückt, ein Stück mehr.

Ein weiterer Aspekt ist neu für mich: Es ist der erste Urlaub, den ich (weitestgehend) allein verbringen werde. Alle bisherigen Urlaubsreisen, ganz gleich ob kurz oder lang, konnte ich entweder mit einer Begleitung unternehmen, oder ich hatte Bekannte bzw. Freunde im „Zielgebiet“, denen die Reise dem Grunde nach galt. „Betreutes Reisen“ sozusagen, zwar ohne doppelten Boden, aber doch mit einer Art von Netz, das eine gewisse Sicherheit bot.

Dieses Mal ist vieles anders, wird vieles anders sein. Der Mensch, der mich früher begleitete, teilt sein Leben nicht mehr mit mir. Es wird kein Empfangskomitee und kein mit „fremder“ Hilfe geplantes Rahmenprogramm geben. Das Hotelzimmer wird voraussichtlich die einzige Konstante sein, wobei ich irgendwo hoffe, daß ich mich werde aufraffen und mehr sehen können, als nur diese Räumlichkeiten. Und abgesehen von dem, was ich mir so angelesen habe, weiß ich so gut wie nichts über das Reiseziel.

Ob es nicht meine Natur ist, kann ich gar nicht sagen, doch bin ich kein Mensch, der den Reiz des Ungewissen sucht. Auch spielt die Gesundheit eine nicht zu unterschätzende Rolle; die Angst vor der Angst und vor der Antriebslosigkeit steht schon bereit, das merke ich sehr deutlich. Die Entscheidung, diese Urlaubsreise zu machen, und die (bisherigen) Vorbereitungen für diesen Urlaub zu treffen, haben viel Kraft und auch einiges an Überwindung gekostet.

Immerhin habe ich mich erfolgreich um eine Bleibe und um Hin- bzw. Rückreisegelegenheiten kümmern können. Ich bin so verwegen, das ganz groß auf der Plus-Seite zu vermerken. Vielleicht bin ich ja doch nicht (mehr) der hoffnungslose Fall, für den ich mich lange hielt und noch immer irgendwo halte. Nach dem persönlichen Absturz, den ich im vergangenen Jahr erlebte, bin ich tatsächlich sogar ein wenig stolz auf mich, daß ich mich zumindest schonmal bis hierher vorgearbeitet habe, mich vorarbeiten konnte.

Vielleicht wird dieser erste richtige Urlaub nach dem Erlebten der vergangenen Jahre, nach dem Erlebten des vergangenen Jahres im Besonderen, eine Art von kleiner Wiedergeburt. Eine sehr kleine, das mag sein, und von sowas wie Selbstfindung oder etwas in der Art möchte ich erst gar nicht anfangen. Die Art zu reisen wird in dieser Form eine kleine Wiedergeburt sein, frei zu sein von den (meisten) Zwängen des Alltags ebenso. Und wer weiß, vielleicht hilft mir meine Naivität und Neugier auch noch etwas weiter.

Offen sein, mich öffnen – für neue Herausforderungen, neue Erfahrungen, neue Eindrücke, neue Menschen. Wenn mir das gelingt, wenn ich das schaffe, wer weiß, was dann vielleicht noch alles wiedergeboren wird. Einige Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte werde ich im Gepäck haben. Mal sehen, wie schwer sie wiegen, was davon ich gerade so wieder mit mir zurück bringe, und was davon ich werde eintauschen können…

Für Augenblicke, Stunden, Tage, oder vielleicht sogar ein Restleben.

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