Ereignisdreigestirn

Soviel gleich zu Beginn: Ich bin kein Weihnachtshasser. Ich habe auch nichts dagegen, daß jeder diese Festtage begeht, wie es ihm gefällt. Manche Menschen brauchen das Ausufernde, andere mehr das (tatsächlich) Besinnliche, und viele eben einfach irgendwas dazwischen oder drum herum. Es stört mich – kaum.

Selbst kann ich dem allen aber sehr, sehr wenig abgewinnen. Begeistert hat mich die Zeit mit den Weihnachtsfeiertagen, meinem Geburtstag und dem Jahreswechsel sicherlich als Kind, doch daran erinnere ich mich nicht lebhaft. Vielmehr spüre ich, daß sich das letzte Drittel des Dezembers für mich über die letzten Jahre zu einer regelrechten Belastung entwickelt hat.

Über die Jahre, die ich nun schon allein lebe, hat dieses Ereignisdreigestirn für mich nach und nach, dafür aber umso nachhaltiger an Reiz verloren. Ja, ich denke tatsächlich, daß es ein Prozeß war, vielleicht sogar ein Prozeß ist – allerdings ohne vorbestimmten oder vorhersagbaren Ausgang. Zuletzt wich eben das Gefühl des Reizes, der Freude, und machte Platz für ein Gefühl von Belastung.

Die wenigen Menschen, denen mein Geburtstag einmal soviel bedeutete, daß sie ihn mit mir feiern wollten, leben schon lange ihr eigenes Leben, das ihnen nur wenig Raum und Zeit für Treffen läßt. Und für mich ändert sich nur eine Zahl; da ist keine magische Linie, deren Überspringen eine Feier durch mich begründet, da ist keine besondere Leistung, die zu würdigen es sich lohnen würde. Ich existiere halt weiter, herzlichen Glückwunsch.

Ähnlich verhält es sich mit den Jahreswechseln. Das alte Jahr hier, das neue Jahr dort, und ich zwischen Menschen, die mir fremd wurden oder sind, denen ich fremd bin oder fremd geworden bin? Der Wunsch nach ehrlicher und guter Unterhaltung ist schwer zu erfüllen, und die letzten Enttäuschungen brachten mich dazu, auch diesen Anlaß allein zu begehen. Wenn schon keine gepflegte Unterhaltung, dann möchte ich wenigstens die Gedanken, die mich heimsuchen, in Ruhe sortieren.

Blieben noch die Weihnachtsfeiertage. Zu ihnen habe ich über viele Jahre den Bezug verloren. Ein wenig wurde das aufgehalten in der Zeit, als ich mit jemandem eigene Traditionen begründen und das Fest weitestgehend begehen konnte, wie es sich gut und richtig anfühlte. Doch auch dieser Haltepunkt ist Vergangenheit; was bleibt, ist der Besuch bei den Eltern: Wenig Feierliches, viel Routine und die Bemühung, die künstlich geschaffenen Anspannung nicht den Weg für einen Streit bereiten zu lassen.

Es ist eine Belastung, diese Tage am Ende eines Jahres zu überstehen. Nicht so sehr, weil es sie gibt, sondern weil sie gezwungen und unabänderlich so geballt auftreten. Die alles in allem sowieso nicht sonderlich gute Stimmungs- und Gefühlslage, die jahreszeitbedingt ihren jeweiligen Tiefpunkt erreicht, trägt ihren Teil zum Gesamtbild bei. Dies alles alleine durchzustehen ist alles andere als leicht, eine echte Herausforderung, die Kraft fordert – und belastet.

Ich bin kein Weihnachtshasser, und doch könnte ich sicher mehr als gut ohne das beschriebene Ereignisdreigestirn leben. Vielleicht ist das sogar der Punkt, vielleicht sollte ich das angehen, sollte ich das tun.

Auf die eine oder die andere Weise.

 

 

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