Eingeholt

Zuerst war da dieses Gefühl. Es war irgendwie richtig und vertraut, obwohl ich noch nie zuvor in dieser Stadt gewesen bin. Es fühlte sich an, als wäre ich angekommen. Und dann war da diese Idee. Nach einigen intensiven Überlegungen erschien es gut, wichtig und richtig, diesen Schritt zu machen. Der aktuelle Zeitpunkt war so gut wie jeder andere, ist es dem Grunde nach noch immer.

So faßte ich den Entschluß, mir aus der vermeintlichen Sicherheit eines bestehenden Anstellungsverhältnisses, vergleichsweise guter Gesundheit und einer Umgebung, aus der mich nichts und niemand zu vertreiben suchte, erst einen neuen Job und dann eine neue Bleibe zu suchen – in dieser neuen Stadt. Und mit der Energie, die aus diesem Entschluss erwuchs, unternahm ich die ersten Schritte.

Dann wurde ich eingeholt.

Mit einem Federstrich wurde die Arbeit und die seit einer Dekade erbrachten Leistungen einer Mannschaft von knapp 50 Menschen für überflüssig erklärt. Die Mohren hatten ihre Schuldigkeit getan, die Mohren durften gehen – weil andere in Ermangelung von Weitsicht und Rückgrat nun erst einmal ihren eigenen Hals in Gefahr sahen und zu retten versuchten, was zu retten schien.

Plötzlich waren da in meinem Vorhaben mehr Variablen, regelrechte Unbekannte, die zwar das Vorhaben noch nicht gänzlich infrage zu stellen vermochten, doch viele, ja, die meisten der Ausgangsüberlegungen als null und nichtig erscheinen ließen. Die Sicherheit, in der ich mich wähnte, existierte von einem Tag auf den nächsten einfach nicht mehr.

Die Sicherheit verschwand, und mit ihr auch ein gutes Stück Gelassenheit. Mit einem Mal war da eine Uhr, die tickte, ein Countdown, gegen den nun angearbeitet werden mußte. Aus Optionen wurden Notwendigkeiten, aus Weggefährten wurden Statisten, die Weite der Träume und Pläne wurde enger und enger – und diese Stadt, die mich so anzog, die mich noch immer anzieht, erschien weiter entfernt als jemals zuvor.

Wie ein Jongleur, dem unverhofft weitere Bälle zugeworfen werden, versuche auch ich all das, was in Bewegung ist und in Bewegung geriet, irgendwo im Blick und unter Kontrolle zu behalten, in der Hoffnung, daß das, was ich werde fallen lassen, fallen und zerbrechen lassen müssen, wenigstens nichts und niemand ist bzw. sein wird, dessen Verlust mich später einmal heimsuchen könnte und sicherlich auch würde.

Letztlich ist nur eines sicher: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis mich wieder etwas eingeholt haben wird.

Dieses Mal. Die nächsten Male.
Immer und immer wieder eingeholt.

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